Frage: Die EDK-Plenarversammlung hat grünes Licht gegeben für den Betriebsstart der Föderation der Identitätsdienste im Bildungsraum Schweiz. Wann können Lehrpersonen und Lernende konkret via Edulog auf digitale Dienste zugreifen?

Susanne Hardmeier: Nach heutigem Planungsstand erfolgt die Betriebsaufnahme mit Beginn des Schuljahrs 2020. Ab dann können Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen via Edulog auf digitale Dienste zugreifen. Hierbei ist festzuhalten, dass der einzelne Kanton den Zeitpunkt seines Beitritts zur Föderation bestimmen. Ab wann die Nutzung von Edulog in einem konkreten Fall erfolgt, kann also unterschiedlich sein. Auch ist es möglich, dass ein Kanton einen gestaffelten Beitritt in Erwägung zieht, so dass beispielsweise zuerst die Schulen der Sekundarstufe II und später die anderen Schulen beitreten. Ein Kanton kann den Zeitpunkt des Beitritts auch seinen Gemeinden überlassen. Die Föderation ermöglicht diese flexible Vorgehensweise. Bereits auf den Betriebsstart werden aber erste Kantone mit von der Partie sein und ich hoffe, dass die meisten anderen Kantone spätestens bis 2022/2023 folgen werden.

Bereits im März 2018 hat die EDK-Plenarversammlung den Grundsatzentscheid zum FIDES-Projektaufbau gefällt. Was ist in den 18 Monaten bis zum Betriebsbeschluss geschehen?

In diesen 18 Monaten ist sehr viel passiert. Unter der Leitung einer Steuergruppe, in der Vertreterinnen und Vertreter der Kantone, der Lehrerverbände, des Bundes und von Switch vertreten waren, haben intensive Arbeiten stattgefunden. Die Fachagentur educa.ch, die neu als Geschäftsstelle der Föderation waltet, hat ein Projektteam eingesetzt. Dieses hat die Grundlagen der Föderation erarbeitet. Es wurden Pilote mit Identitäts- und Dienstleistungsanbietern und Praxistests mit Schulklassen durchgeführt, die Ausschreibung für technischen Betrieb vorbereitet und am 27. Februar 2019 an der PH Bern eine landesweite Informationsveranstaltung organisiert. Zentral war auch der Aufbau der Kommunikation rund um das Projekt, die unter anderem mit Fallbeispielen die komplexe Materie erklärt. Die EDK-Plenarversammlung hat im Juni 2019 diese Arbeiten zur Kenntnis genommen und den Auftrag zur Finalisierung der Entscheidgrundlagen erteilt. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Entwicklung des Organisationsreglements durch das Generalsekretariat der EDK. Wichtige Arbeiten haben auch in den Kantonen stattgefunden. Jeder Kanton musste für sich klären, welche Bedingungen er bereits erfüllt und welche Arbeiten an die Hand genommen werden müssen.

Die organisatorischen und technischen Voraussetzungen sind von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich. Zudem liegt die Verantwortung für die Volksschule in vielen Kantonen bei den Gemeinden. Wie kann Edulog als nationale Struktur diesem Föderalismus gerecht werden?

Die Föderation ist eben gerade Ausdruck dieses Föderalismus. Die kantonale Zuständigkeit für die Bildung bedeutet Vielfalt. Das ist gut so und daran ändert sich nichts. Jeder Kanton ist frei, in welchem Organisationsgefüge er der Föderation beitreten will – er kann dies auf der Ebene des Kantons tun, aber auch über die Gemeinden oder Schulen. Dies ermöglicht auch einen Beitritt nach Schulstufen. Diese variable Geometrie ist in der DNA der Föderation angelegt – und eine Grundvoraussetzung für deren dauerhafte Verankerung im Bildungsraum Schweiz.

Gemäss Beschluss der EDK-Plenarversammlung haben die Kantone nun drei Jahre Zeit, um der Föderation beizutreten. Rechnen Sie damit, dass zum Schulbeginn 2023 sämtliche Kantone Edulog nutzen werden?

Wie gesagt sind die Kantone frei, wann und wie sie der Föderation beitreten wollen. Auf Schulbeginn 2020 können die ersten Identitäts- und Dienstleistungsanbieter aktiv sein und mehrere Kantone haben den klaren Willen geäussert, bereits die erste Welle nutzen zu wollen. Ich rechne damit, dass mit zunehmender Nutzung der Anreiz für einen Beitritt rasch wachsen wird und die Einführungsphase von drei Jahren genutzt werden wird.

Die Föderation der Identitätsdienste ist Teil der EDK-Digitalisierungsstrategie. Gleichzeitig laufen in praktisch allen Kantonen und z. T. auf sprachregionaler Ebene vielfältige Projekte rund um den digitalen Wandel in der Bildung. Welchen Platz nimmt Edulog in diesem Gesamtbild ein?

Die Digitalisierungsstrategie der EDK ist sehr breit angelegt. Sie betrifft die Kompetenzen und Ressourcen, die notwendig sind, um sich in der digitalen Welt zu organisieren, die Nutzbarmachung der Potenziale sowie den Austausch zwischen den Akteuren. Die Frage aber, was mit unseren Daten passiert, wie wir sie nutzen und welche Voraussetzungen für die Gewährleistung der Informationssicherheit gewährleistet sein müssen, steht heute im Vordergrund. Edulog ist dabei ein Kernelement.

Was unternimmt die EDK als nächstes in Bezug auf die digitale Transformation der Bildung?

Sicherlich gehört die sorgfältige Errichtung der Föderation nun zunächst einmal zu unseren Prioritäten. Gleichzeitig werden auch weitere Massnahmen des EDK-Arbeitsplans zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie in Angriff genommen oder weitergeführt. Ich denke an den Aufbau von Optima, also den Datenaustausch in der Berufsbildung, oder die Weiterführung des Dialogformats mit neuen Anbietern. In der neuen Programmperiode der EDK 2020-2024 werden wir die Entwicklung von EDK-Empfehlungen zur ICT-Ausstattung von Schulen in Angriff nehmen sowie die Erarbeitung eines Ordnungsrahmens (Framework) für digital kompetente Schulen oder die Erstellung eines Kompetenzmodells für digitale Kompetenzen ausgehend von den bestehenden Beschreibungen in den sprachregionalen Lehrplänen. Alle diese Massnahmen sind immer ergänzend zu den zahlreichen laufenden Arbeiten der Kantone im Bereich der digitalen Transformation zu verstehen.

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Michael Jeitziner
michael.jeitziner@educa.ch